

Früher teilten sich in Berlin viele Uhrmacher die Arbeit. Aufträge gingen zügig durch, weil viele Hände da waren und weil es noch deutlich mehr Ersatzteile gab, die schlicht greifbar waren. Heute ist das anders. Der Beruf stirbt aus, das Wissen wird vielerorts nicht mehr weitergegeben, und die alten Meister gehen nach und nach in den wohlverdienten Ruhestand.
Nach Aussage meiner Kunden bin ich einer der letzten Uhrmacher in Berlin, der überhaupt noch annimmt.
Das hat in einer Millionenstadt, in der unzählige antike Uhren hängen, stehen und vererbt werden, ganz reale Folgen:
Eine Uhr ist kein Auto. Man fährt sie nicht in eine Werkstatt, bestellt ein Teil, baut es ein, fertig.
Bei einer Uhr beginnt die Arbeit oft damit, überhaupt herauszufinden, was fehlt, was verschlissen ist, was irgendwann einmal „irgendwie“ gerettet wurde, und was davon heute wirklich fachlich gelöst werden muss.
Ersatzteile sind keine Katalogware. Man muss sie suchen. Und wenn man sie nicht findet, muss man Teile anpassen, umbauen oder fachgerecht nacharbeiten, damit das Werk wieder sauber und dauerhaft läuft.
Manche Uhren können deshalb nicht sofort repariert werden, weil zuerst die Beschaffung oder die Lösung für ein fehlendes Teil geklärt werden muss.
Das kostet Zeit, und es verlangt Geduld, Sorgfalt und Erfahrung. Denn was an einem Uhrwerk flüchtig gemacht wird, rächt sich. Nicht symbolisch, sondern ganz praktisch: Es kommt wieder, und dann ist es doppelte Arbeit.
Hinzu kommt, dass ich mehr mache als viele andere, weil ich mir zusätzliches Handwerk erarbeitet habe. Ich restauriere und repariere nicht nur Uhrwerke, sondern auch Gehäuse und Zifferblätter.
Dadurch kommen Aufträge nicht nur aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland, und immer wieder auch aus dem europäischen Ausland.
Ich wollte immer grundsätzlich jedem helfen, der mich konsultiert hat. Aber weil ich mit der Flut der Aufträge in der Vergangenheit kaum zurechtgekommen bin, nehme ich grundsätzlich nur noch mechanische Großuhren an. Keine Armbanduhren, keine Taschenuhren, keine Quartz- oder halbelektrische Uhren. Ich habe keine Hilfe, ich mache alles allein.
Das Problem ist überall ähnlich: Es gibt weniger Werkstätten, weniger Spezialisten, weniger Ersatzteile, und gleichzeitig sehr viele Uhren, die erhalten werden sollen.
Aus all diesen Gründen nenne ich keine festen Fertigstellungstermine. Nicht aus Unverbindlichkeit, sondern aus Verantwortung.
Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann. Eine gute Reparatur braucht manchmal Zeit, und eine gute Restauration erst recht.
Wenn es schneller gehen soll, geht es fast immer auf Kosten der Qualität, und das ist bei einer alten Uhr der sicherste Weg, sie später noch einmal auf dem Tisch zu haben.
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