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Lenzkirch Louis Philippe Regulator

Leider schon verkauft, aber eine der schönsten Lenzkirch Uhren, die ich je im Angebot hatte.

Sehr seltener, sehr alter, in allen Teilen originaler und bestens erhaltener Lenzkirch Regulator aus dem Louis Philippe. Es handelt sich um eine originale Uhr aus der Zeit, kein Renaissance Produkt. Das Herstellungsjahr lÀsst sich mittels Seriennummer auf den Zeitraum 1865/70 eingrenzen. Dreifarbig geschmackvoll aufeinender abgestimmte Holzarten setzen Akzente am GehÀuse. Es ist alles original, intakt und vollstÀndig.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 03 ___beschreibung

Diese GehĂ€useform ist bei Uhren aus der Zeit des Louis Philippe selten gut erhalten anzutreffen. Da in der Rundung der FronttĂŒre oft Spannungsrisse entstehen. Meist handelt beim Louis Philippe Stil, der gut erhalten daher kommt,  um Produkte, die spĂ€ter von den großen Uhrenfabrikanten wieder aufgelegt wurden, da dieser Einrichtungsstil öfter ein Comeback erlebte.

Das Louis-Philippe oder der Louis-Philippe-Stil sind die gĂ€ngigsten Stilbezeichnungen fĂŒr das Zweite Rokoko, dessen politischer Ausgangspunkt die Juli-Revolution von 1830 in Frankreich ist und das alternativ nach dem regierenden BĂŒrgerkönig Louis Philippe (1830 - 1848) benannt ist.

Die Stilbegriffe Zweites Rokoko und Louis Philippe bezeichnen eine Ausdrucksform und einen Historismusstil in der Zeit von 1840 - 1870, welche um die Mitte des 19. Jahrhunderts den Rokoko Stil des 18. Jahrhunderts wieder aufleben lĂ€ĂŸt.

Louis Philippe hĂ€lt bereits 1830 in Frankreich Einzug in die Wohnungen und kommt in Deutschland nach 1840 in Mode. Die technischen und industriellen Errungenschaften im 2. Drittel des 19. Jahrhunderts ermöglichen durch ökonomische Bauweisen und Herstellung, daß dieser höfisch wirkende Stil nun auch fĂŒr die Mittelschicht erschwinglich ist.

Da das Louis Philippe auch von der Aristrokratie eine hohe WertschĂ€tzung erfuhr, gilt es in der Zeit von 1840 bis 1870 sogar als ReprĂ€sentationsstil. Dieser Rokoko-Stil wird nach 1870 fĂŒr 2 Jahrzehnte durch die Neorenaissance zurĂŒckgedrĂ€ngt, kommt aber um 1890 zum dritten Male auf, so spricht man vom sogenannten “Napoleon III. Stil”, den man als einen Neorokoko-Stil ansieht.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 02Louis Philippe kennzeichnet sich durch allumfassende Schweifung, nach allen Richtungen schwingt die Kontur fließend aus und es gibt keine störenden Kanten, die die Kurvigkeit beeinflussen.

Quelle: Wikipedia.org

___uhrwerk

Diese Wanduhr enthĂ€lt  ein sehr prĂ€zise gearbeitetes Uhrwerk. Das Werk entzĂŒckt durch Ganggenauigkeit und leise LaufgerĂ€usche. Ein dickwandiges Vollplatinen Uhrwerk mit Graham Hemmung sorgt fĂŒr grĂ¶ĂŸtmögliche PrĂ€zision. Feine Zapfen minimieren den Verschleiß, ein Umstand, dem die Uhr in diesem hohen Alter ihre VitalitĂ€t zu verdanken hat.

Das Werk wurde zerlegt und dabei einer grĂŒndlichen Kontrolle auf ausgeleierte Lager, den Zustand der Federn, etc. unterzogen.

Es bestand bis auf das ĂŒbliche Reinigen kein Handlungsbedarf, auch die Lager befinden sich in sehr gutem Zustand. Die Uhr lĂ€uft mit krĂ€ftigem Pendel Ausschlag und klingt sehr sauber beim Schlagen.

Der Schlag erfolgt halbstĂŒndlich, mit Anschlag der Uhrzeit zur vollen Stunde. Der Klang ist dunkel und wohlklingend.

___technischedaten

Uhrwerks-Seriennummer: 374737 (1865-1870)
GrĂ¶ĂŸe gesamt ca: 92 cm x 38 x 19 (H x B X T in cm, inkl. Aufbauten)
Holzart: Nussbaum Vollholz, Wurzelholz, Weichholz Korpus, furniert mit Edelhölzern
Uhrwerk: Vollplatinen, Volltriebe, Schloßscheibe (mit Einstellmöglichkeit mittels Hebeleinrichtung)
Zifferblatt: Aus Emaille, fĂŒr das hohe Alter gut erhalten
Pendel: Rost(Gitter)pendel, Emaille Pendellinse

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 04Wartung: Werk zerlegt, Teile gereinigt, Zapfen poliert, Federn gefettet, Hemmung eingestellt, Lager geölt. NÀchste Wartung in 7 - 10 Jahren.

___firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verkĂŒrzt meinen sehr geschĂ€tzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

Lenzkirch
Agul
Uhrenfabrik Lenzkirch AG

Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft fĂŒr Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- spĂ€ter Agul) gegrĂŒndet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald. Treibende Kraft fĂŒr die FirmengrĂŒndung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Schöpperle sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte.

Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er fĂŒr mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung prĂ€ziser Uhrwerke kennenzulernen. ZurĂŒckgekehrt grĂŒndete er 1846 mit Ignaz Schöpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines frĂŒheren Lehrherren, die Firma Schöpperle & Hauser.

Ihr Ziel war die fabrikmĂ€ĂŸige Herstellung von prĂ€zisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen SchwarzwĂ€lder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die BuchfĂŒhrung der Firma ĂŒbernahm. Die GrĂŒndungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Schöpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 05Hauser wurde technischer Direktor und fĂŒhrte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. MĂŒnchen 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888. Eduard Hauser erhielt auch viele persönliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den ZĂ€hringer Löwenorden durch den Großherzog von Baden.

Anfangs wurden in Lenzkirch französische Rohwerke bezogen und eingebaut (siehe auch Lenzkirch Wikipedia). Sehr frĂŒhe Uhren (ab etwa 1851) wurden nicht gemarkt. Das erste Markenzeichen erschien erst ab 1871.

Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach französischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden nÀmlich vorher aus Frankreich importiert.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 06Lenzkirch besaß eine eigene Gießerei, Walzwerk, SĂ€gerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine große GehĂ€usetischlerei, die durch ihre aufwĂ€ndigen GehĂ€use den Ruf der Firma entscheidend begrĂŒndete.

FĂŒr die GehĂ€use war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters hĂ€tte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung ĂŒbernehmen sollen.

Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, fĂŒr die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die GehĂ€usemodelle waren Vorbild fĂŒr alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem fĂŒr die Firmen in Schwenningen.

Doch der entscheidende RĂŒckschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte große Verluste. Ferner war die zu große Zahl der verschiedenen Werke und GehĂ€useformen fĂŒr die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich höheren Preisen gegenĂŒber der Konkurrenz wiederspiegelte. Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 07Eduard Hauser zog sich im MĂ€rz 1899 aus dem GeschĂ€ft zurĂŒck und starb 1900. Beide Söhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu großes Beharrungsvermögen ließ Lenzkirch den Anschluß an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen. Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der höheren Preise nicht mehr verkaufen ließen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen ĂŒberrundet.

Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg ĂŒberstanden hat, aber es ist von einer RĂŒstungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen wĂ€re.

Als in der 20er Jahren der Absatz der Uhren immer schwieriger wurde, trat Lenzkirch 1927 der Interessengemeinschaft mit Junghans, HAU und Becker bei. Die durch die Absprachen erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus und 1928 wurde Lenzkirch von Junghans ĂŒbernommen.

___pflege

  • nur Abstauben, kein feuchtes Abwischen!
  • keine Möbelpolitur verwenden,
  • keine direkte Sonneneinstrahlung und
  • kein Aufstellen neben Öfen, etc!

___antiquitaeten

Alle AntiquitĂ€ten unterliegen dem natĂŒrlichen Alterungsprozess. Dies kann sich dadurch Ă€ußern, daß Holz verzogen ist, das es Wurmlöcher gibt. Auch frĂŒhere Reparationsspuren sind ĂŒblich.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 10Diese Dinge muß man hinnehmen, denn jede Uhr hat ihre eigene Geschichte. Alle MĂ€ngel, die die GebrauchsfĂ€higkeit stören oder die Optik negativ beeinflussen, werden beseitigt, sofern das möglich ist.

Hier ist aber immer ein Kompromiss zu finden, um den Wert zu erhalten. Überrestaurierte AntiquitĂ€ten besitzen keinen Reiz mehr und sind wertlos.

___antikeuhrwerke

Konstruktive MĂ€ngel der Werke mĂŒssen hingenommen werden, da es nicht zur Aufgabe der Restaurierung gehört, eine AntiquitĂ€t zu verbessern.

Zu KonstruktionsmĂ€ngeln zĂ€hlen u. a. ungĂŒnstig geformte Triebstirnseiten, horizontal stehende SpindelrĂ€der sowie große und flache Ölsenkungen und vieles mehr.

Es liegt in der Natur der Sache, daß an manchen Uhrwerken Reparaturspuren zu sehen sind, denn wir haben es mit ĂŒber 100 Jahre alten Uhrwerken zutun, die im Laufe ihres Lebens durch mehrere UhrmacherhĂ€nde gegangen sind. Auch ZifferblĂ€tter können Altersspuren zeigen, wie feine Haarrisse, etc.. Damit mĂŒssen wir als Liebhaber von AntiquitĂ€ten leben.

EigenmĂ€chtige Reparaturversuche am Uhrwerk fĂŒhren zum sofortigen Verlust der Garantie, dies gilt auch fĂŒr Eingriffe am GehĂ€use, wie das Festkleben von AufsĂ€tzen, Zapfen, etc.. Die Ware wird grundsĂ€tzlich versichert verschickt, beim Einpacken ĂŒberzeugen wir uns zu zweit davon, daß alles in Ordnung ist und die Ware sachgerecht verpackt auf die Reise geht. Die Verpackung jeder Uhr wird fotografiert.

___ineigenersache

Ein automobiler Scheunenfund kann weder am Straßenverkehr teilnehmen, noch wird er Schönheitspreise gewinnen.

Ein Dachbodenfund wird erst dann die Zeit zuverlĂ€ssig anzeigen und ein SchmuckstĂŒck Ihrer Wohnung sein, wenn er fachmĂ€nnisch restauriert worden ist. Uhren, die Sie bei mir erwerben, bringen diese QualitĂ€ten mit.

Lenzkirch Regulator Louis Philippe dreifarbig 14

Ich gebe auf meine Uhren Garantie. Das bedeutet fĂŒr Sie die Sicherheit, eine Uhr zu erwerben, die nicht nur ihre Aufgabe, die Zeit anzuzeigen, zuverlĂ€ssig erfĂŒllen wird, sondern darĂŒber hinaus eine Wertanlage fĂŒr die Zukunft darstellt.

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