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Black Mermaid - Die schwarze Meerjungfrau

Bitte nicht zu verwechseln mit der Kopie, die auf ebay angeboten wird.  Es ist nicht bekannt, wieviele echte schwarze Meerjungfrauen es gibt. Eine befindet sich im Asiatischen Raum, eine in New York. Diese schwarze Meerjungfrau ist unverk├Ąuflich!

Lenzkirch Mermaid01 ___beschreibung

Die Meerjungfrau, die oben als Wetterfahne auf der Krone dieses Lenzkirch Regulators schwebt, hat diesem Freischwinger ihren Namen gegeben. Als Lenzkirch Meerjungfrau, oder Lenzkirch Mermaid, ist diese Uhr in die Geschichte der Uhrmacherkunst eingegangen und entz├╝ckt seit weit ├╝ber 100 Jahren die Sammlerherzen auf der ganzen Welt.

Es handelt sich um einen Balkonfreischwinger, holztechnisch eine der aufwendigsten Modellreihen, die die Firma Lenzkirch jemals gebaut hat.

Das Geh├Ąuse ist mit ├╝ber 200 Applikationen aus Bronze und Holz geschm├╝ckt. Durch die offene Bauweise wirkt diese Uhr im Gegensatz zu vielen anderen Regulatoren aus dieser Zeit sehr leicht, verspielt und freundlich.

Von den Meerjungfrauen aus der Uhrenfabrik Lenzkirch existieren nach Meinung der Experten weltweit nur etwa 150 - 200 Exemplare. Die Geh├Ąuse wurden ├╝berwiegend in Nussbaum gefertigt, es gibt jedoch auch Meerjungfrauen aus Eichenholz, sehr wenige Exemplare aus Kirschbaum Holz und nur eine Hand voll schwarze Meerjungfrauen. Die hier abgebildete Uhr wurde in der Zeit zwischen 1890 und 1895 gebaut.

Das Uhrengeh├Ąuse, zum Gro├čen Teil aus sorgf├Ąltig ausgew├Ąhlten Massivh├Âlzern, hat eine Gesamth├Âhe von etwa 103 cm, die Breite betr├Ągt an der breitesten Stelle 36 cm. Die Seitenteile sind durchbrochen gearbeitet, sechs gebogene Profilleisten mit gedrechselten Holzpuppen, zwei davon konisch verarbeitet, betonen die Leichtigkeit der Erscheinung. Die Balustrade, beim Freischwinger auch Balkon genannt, besteht aus zwanzig gedrechselten S├Ąulen, eingeteilt in drei halbrunde W├Âlbungen, deren obere Simsleisten in Messing gefa├čt sind.

Die Unterseite der Br├╝stung ist mit einer Bord├╝re aus Messing geschm├╝ckt. Besonders h├╝bsch sind die seitlich nach oben reichenden, lang gedrechselten Zapfen. Die T├╝re, hinter der sich das Uhrwerk befindet, kann komplett beidseitig ge├Âffnet werden.

Einer Legende nach, die unter Sammlern verbreitet wird, haftet der Meerjungfrau der Ruf an, da├č sie Wohlstand ins Haus bringe und da├č dem Besitzer das Gl├╝ck ewig hold sei.

Lenzkirch Regulator Meerjungfrau Mermaid schwarz5 ___uhrwerk

Bei dieser Uhr ein Rechenschlagwerk aus der Serie 26, es handelt sich also um ein 42’er Uhrwerk, Pendell├Ąnge 42 cm. Die Uhr schl├Ągt halb- und st├╝ndlich auf einen Rundbogengong mit Klagk├Ârper. Das Werk tr├Ągt neben Werksnummer und Lenzkirch Punze die Zahl 26, das bedeutet bei Lenzkirch 26 Pendelausschl├Ąge in einer Viertelminute. Wir kommen also auf 104 Schwingungen in der Minute, wie bei 42’er Uhrwerken ├╝blich.

Das Zifferblatt ist aus massivem, schweren Guss, in den Vertiefungen befinden sich Einlagen in den Farben gr├╝n, lindgr├╝n, rot und schwarz. Es ist mittig und im Minutenkreis mit verspielten Ornamenten verziert, der Zahlenkranz zeigt r├Âmische Zahlen, die Zeiger sind gestanzt.

Lenzkirch hat f├╝r jedes Modell dieser Prunkfreischwinger einen eigenen Perpendikel entwickelt. Wir sehen hier einen Engel, der sich auf eine Br├╝stung st├╝tzt. Das Pendel hat die L├Ąnge von 42 cm, es ist aus Messing gegossen. Das Uhrwerk wurde gereinigt, es l├Ąuft sehr pr├Ązise. Es ist sehr wichtig, da├č das Uhrwerk alle 8 - 10 Jahre gewartet wird.

___firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verk├╝rzt meinen sehr gesch├Ątzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft f├╝r Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- sp├Ąter Agul) gegr├╝ndet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald.

Treibende Kraft f├╝r die Firmengr├╝ndung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Sch├Âpperle sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte. Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er f├╝r mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung pr├Ąziser Uhrwerke kennenzulernen.

Lenzkirch Jugendstil Meerjungfrau17Zur├╝ckgekehrt gr├╝ndete er 1846 mit Ignaz Sch├Âpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines fr├╝heren Lehrherren, die Firma Sch├Âpperle & Hauser.

Ihr Ziel war die fabrikm├Ą├čige Herstellung von pr├Ązisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen Schwarzw├Ąlder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die Buchf├╝hrung der Firma ├╝bernahm.

Die Gr├╝ndungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Sch├Âpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten. Hauser wurde technischer Direktor und f├╝hrte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. M├╝nchen 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888.

Eduard Hauser erhielt auch viele pers├Ânliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den Z├Ąhringer L├Âwenorden durch den Gro├čherzog von Baden.

Lenzkirch Jugendstil Meerjungfrau18Anfangs wurden in Lenzkirch franz├Âsische Rohwerke bezogen und eingebaut. Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach franz├Âsischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden n├Ąmlich vorher aus Frankreich importiert.

Lenzkirch besa├č eine eigene Gie├čerei, Walzwerk, S├Ągerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine gro├če Geh├Ąusetischlerei, die durch ihre aufw├Ąndigen Geh├Ąuse den Ruf der Firma entscheidend begr├╝ndete.

F├╝r die Geh├Ąuse war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters h├Ątte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung ├╝bernehmen sollen.

Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Lenzkirch Mermaid05Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, f├╝r die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die Geh├Ąusemodelle waren Vorbild f├╝r alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem f├╝r die Firmen in Schwenningen.

Doch der entscheidende R├╝ckschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte gro├če Verluste. Ferner war die zu gro├če Zahl der verschiedenen Werke und Geh├Ąuseformen f├╝r die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich h├Âheren Preisen gegen├╝ber der Konkurrenz wiederspiegelte. Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Eduard Hauser zog sich im M├Ąrz 1899 aus dem Gesch├Ąft zur├╝ck und starb 1900. Beide S├Âhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu gro├čes Beharrungsverm├Âgen lie├č Lenzkirch den Anschlu├č an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen. Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der h├Âheren Preise nicht mehr verkaufen lie├čen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen ├╝berrundet.

Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg ├╝berstanden hat, aber es ist von einer R├╝stungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen w├Ąre.ie Verpackung jeder Uhr wird fotografiert..

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