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Die Meerjungfrau

Bitte haben Sie etwas Geduld beim Laden der Seite. Eine ausführliche Beschreibung erfordert eine ebenso ausführliche Bebilderung. Sie werden nicht enttäuscht sein. Die Fotos dieser Lenzkirch Uhr dürfen ohne meine Einwilligung nicht verwendet werden!

Lenzkirch Regulator, schwarze Meerjungfrau, black Mermaid 01Die Meerjungfrau, die oben als Wetterfahne auf der Krone dieses Lenzkirch Regulators schwebt, hat diesem Freischwinger ihren Namen gegeben. Als Lenzkirch Meerjungfrau, oder Lenzkirch Mermaid, ist diese Uhr in die Geschichte der Uhrmacherkunst eingegangen und entzückt seit weit über 100 Jahren die Sammlerherzen auf der ganzen Welt.

Es handelt sich um einen Balkonfreischwinger, holztechnisch eine der aufwendigsten Modellreihen, die die Firma Lenzkirch jemals gebaut hat.

Das Gehäuse ist mit über 200 Applikationen aus Bronze und Holz geschmückt. Durch die offene Bauweise wirkt diese Uhr im Gegensatz zu vielen anderen Regulatoren aus dieser Zeit sehr leicht, verspielt und freundlich.

Von den Meerjungfrauen aus der Uhrenfabrik Lenzkirch existieren nach Meinung der Experten weltweit nur noch etwa 80 - 100 wirklich gut erhaltene Exemplare. Wieviele Meerjungfrauen insgesamt gebaut wurden, ist ein Streitthema unter den Sammlern. Man geht von 180 - 700 Exemplaren aus.

Die Gehäuse wurden überwiegend in Nussbaum gefertigt, es gibt jedoch auch Meerjungfrauen aus Eichenholz, sehr wenige Exemplare aus Kirschbaum Holz und nur eine Hand voll schwarze Meerjungfrauen. Die hier abgebildete Uhr wurde in der Zeit zwischen 1890 und 1895 gebaut.

Das Uhrengehäuse, zum Großen Teil aus sorgfältig ausgewählten Massivhölzern, hat eine Gesamthöhe von etwa 103 cm, die Breite beträgt an der breitesten Stelle 36 cm.

Die Seitenteile sind durchbrochen gearbeitet, sechs gebogene Profilleisten mit gedrechselten Holzpuppen, zwei davon konisch verarbeitet, betonen die Leichtigkeit der Erscheinung.

Die Balustrade, beim Freischwinger auch Balkon genannt, besteht aus zwanzig gedrechselten Säulen, eingeteilt in drei halbrunde Wölbungen, deren obere Simsleisten in Messing gefaßt sind.

Die Unterseite der Brüstung ist mit einer Bordüre aus Messing geschmückt. Besonders hübsch sind die seitlich nach oben reichenden, lang gedrechselten Zapfen. Die Türe, hinter der sich das Uhrwerk befindet, kann komplett beidseitig geöffnet werden.

Die Uhr ist ein einziger Augenschmaus, an dem man sich nicht satt sehen kann. Einer Legende nach, die unter Sammlern verbreitet wird, haftet der Meerjungfrau der Ruf an, daß sie Wohlstand ins Haus bringe und daß dem Besitzer das Glück ewig hold sei.

_uhrwerk

 

Lenzkirch Regulator, schwarze Meerjungfrau, black Mermaid 02Das bei  Meerjungfrauen verwendete Uhrwerk ist immer ein präzise gearbeitetes Vollplatinen Uhrwerk aus der Serie 26, es handelt sich also um ein 42’er Uhrwerk, Pendellänge 42 cm. Die Uhr schlägt halb- und stündlich auf einen Rundbogengong, mit massiver Gongverstärkung.

Dazu wurde ein Klangkörper aus Messing verwendet, der die Schwingungen des Resonanzgehäuses verstärkt. Die Werke tragen neben Werksnummer und Lenzkirch Punze die Zahl 26, das bedeutet bei Lenzkirch 26 Pendelausschläge in einer Viertelminute. Wir kommen also auf 104 Schwingungen in der Minute, wie bei 42’er Uhrwerken üblich. Es wurden sowohl Werke mit Schloßscheiben Schlagwerk, als auch mit Rechenschlagwerk verbaut.

Das Zifferblatt ist bei dieser abgebildeten Uhr aus massivem, schweren Bronzeguss, in den Vertiefungen befinden sich Einlagen in den Farben grün, lindgrün, rot und schwarz. Es ist mittig und im Minutenkreis mit verspielten Ornamenten verziert, der Zahlenkranz zeigt römische Zahlen, die Zeiger sind gestanzt.

Lenzkirch hat für jedes Modell dieser Prunkfreischwinger einen eigenen Perpendikel entwickelt. Wir sehen hier einen Engel, der sich auf eine Brüstung stützt. Das Pendel hat die Länge von 42 cm, es ist aus Bronze gegossen.

_firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verkürzt meinen sehr geschätzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

 

Lenzkirch Regulator, schwarze Meerjungfrau, black Mermaid 03Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- später Agul) gegründet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald.

Treibende Kraft für die Firmengründung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Schöpperle sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte. Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er für mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung präziser Uhrwerke kennenzulernen.

Zurückgekehrt gründete er 1846 mit Ignaz Schöpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines früheren Lehrherren, die Firma Schöpperle & Hauser.

Ihr Ziel war die fabrikmäßige Herstellung von präzisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen Schwarzwälder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die Buchführung der Firma übernahm.

Die Gründungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Schöpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten. Hauser wurde technischer Direktor und führte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. München 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888.

Eduard Hauser erhielt auch viele persönliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den Zähringer Löwenorden durch den Großherzog von Baden.

Lenzkirch Balkonfreischwinger, Meerjungfrau, namensgebende WetterfahneAnfangs wurden in Lenzkirch französische Rohwerke bezogen und eingebaut. Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach französischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden nämlich vorher aus Frankreich importiert.

Lenzkirch besaß eine eigene Gießerei, Walzwerk, Sägerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine große Gehäusetischlerei, die durch ihre aufwändigen Gehäuse den Ruf der Firma entscheidend begründete.

Für die Gehäuse war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters hätte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung übernehmen sollen.

Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, für die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die Gehäusemodelle waren Vorbild für alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem für die Firmen in Schwenningen.

Lenzkirch Jugendstil Balkonfreischwinger, MeerjungfrauDoch der entscheidende Rückschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte große Verluste. Ferner war die zu große Zahl der verschiedenen Werke und Gehäuseformen für die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich höheren Preisen gegenüber der Konkurrenz wiederspiegelte. Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Eduard Hauser zog sich im März 1899 aus dem Geschäft zurück und starb 1900. Beide Söhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu großes Beharrungsvermögen ließ Lenzkirch den Anschluß an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen.

Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der höheren Preise nicht mehr verkaufen ließen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen überrundet.

Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg überstanden hat, aber es ist von einer Rüstungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen wäre.

Als in der 20er Jahren der Absatz der Uhren immer schwieriger wurde, trat Lenzkirch 1927 der Interessengemeinschaft mit Junghans, HAU und Becker bei.

Die durch die Absprachen erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus und 1928 wurde Lenzkirch von Junghans übernommen.

_techdat

Maße: ca. 110 x 36 x 18
Material Korpus: Überwiegend Massivhölzer,
Material der Applikationen: Bronze

Ein automobiler Scheunenfund kann weder am Straßenverkehr teilnehmen, noch wird er Schönheitspreise gewinnen.

Ein Dachbodenfund wird erst dann die Zeit zuverlässig anzeigen und ein Schmuckstück Ihrer Wohnung sein, wenn er fachmännisch restauriert worden ist. Uhren, die Sie bei mir erwerben, bringen diese Qualitäten mit.

Ich gebe auf meine Uhren Garantie. Das bedeutet für Sie die Sicherheit, eine Uhr zu erwerben, die nicht nur ihre Aufgabe, die Zeit anzuzeigen, zuverlässig erfüllen wird, sondern darüber hinaus eine Wertanlage für die Zukunft darstellt.

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