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Lenzkirch Regulator, Nussbaum, 1865/70

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Lenzkirch Nussbaum Regulator 01Die hier angebotenen Uhren werden normalerweise in Antikläden verkauft. Antikhändler sind aber keine Uhrmacher. Den Händlern fehlt es meist sowohl an Sachkenntnis, als auch am technischen Verständnis für komplexe Uhrwerke. Und es gilt “gekauft wie gesehen”. Sie müssen im schlimmsten Fall erst zum Restaurator für das Gehäuse, dann zum Uhrmacher, der das Werk reinigt und nachsieht.

Wenn eine Uhr läuft, heißt das nämlich nicht zwangsläufig, daß es der Uhr gut geht. Viele Uhren laufen nur noch durch die Kraft der Federn und zerraspeln sich fröhlich die Lager. Regelmäßige Uhrenwartung ist genauso notwendig wie die Inspektion an Ihrem Auto.

Bei mir gibt es grundsätzlich nur Uhren mit sauberen, wenn nötig, restaurierten Gehäusen und gereinigten Werken. Außerdem erhalten Sie eine freiwillige Garantie von einem Jahr auf die Lauffähigkeit ohne wenn und aber. Woanders bekommen Sie “Privatverkauf ohne Rücknahme” oder ”Versand auf eigenes Risiko”! Sehen Sie daher bitte davon ab, zu verhandeln. Sofern bei einer hier angebotenen Uhr keine Versandoption zu sehen ist, ist sie nicht versandfähig, weil das Risiko der Beschädigung zu groß ist.

_beschreibung

Lenzkirch Regulator mit niedriger Seriennummer, Louis Philippe, sehr gut erhalten! Die Seriennummer weist auf den Zeitraum zwischen 1865/1870 hin. Das Gehäuse ist für Lenzkirch eher bescheiden verziert, jedoch macht der Regulator dies mit hoher Präzision und sehr schönem dunklen Klang beim Schlagen wieder wett.

Wenn Sie etwas Verläßliches suchen, daß Ihnen minutengenau die Zeit für die Tagesschau anschlägt, sind Sie hier richtig! Die Uhr ist vollständig, sehr liebevoll restauriert, sehr sauber.

Lenzkirch Nussbaum Regulator 02 _uhrwerk

Das Uhrwerk ist, typisch Lenzkirch, kompromisslos in erstklassiger Qualität gearbeitet. Dieser Umstand kommt ihm heute noch zugute. Es handelt sich um ein höchst aufwändig konstruiertes Schloßscheiben Uhrwerk. Feinste Zapfen in sehr dicken Platinen sorgen für ein Minimum an Reibung und damit verbunden den geringstmöglichen Verschleiß. Volltriebe und die Graham Hemmung bewirken, daß sowohl das Laufgeräusch, als auch das Geräusch des Schlagwerkes absolut leise ist.

Das Uhrwerk  läuft präzise, absolut zuverlässig und genau. Die Uhr schlägt jede halbe Stunde einmal, zu jeder vollen Stunde wird die Anzahl der vergangenen Stunden angeschlagen. Der Ton ist dunkel, voll und wohlklingend, nicht zu verwechseln mit laut!

_firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verkürzt meinen sehr geschätzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

Lenzkirch
Agul
Uhrenfabrik Lenzkirch AG

Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- später Agul) gegründet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald. Treibende Kraft für die Firmengründung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Schöpperle sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte. Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er für mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung präziser Uhrwerke kennenzulernen. Zurückgekehrt gründete er 1846 mit Ignaz Schöpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines früheren Lehrherren, die Firma Schöpperle & Hauser.

Ihr Ziel war die fabrikmäßige Herstellung von präzisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen Schwarzwälder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die Buchführung der Firma übernahm. Die Gründungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Schöpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten.

Hauser wurde technischer Direktor und führte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Lenzkirch Nussbaum Regulator 04Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. München 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888. Eduard Hauser erhielt auch viele persönliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den Zähringer Löwenorden durch den Großherzog von Baden.

Anfangs wurden in Lenzkirch französische Rohwerke bezogen und eingebaut (siehe auch Lenzkirch Wikipedia). Sehr frühe Uhren (ab etwa 1851) wurden nicht gemarkt. Das erste Markenzeichen erschien erst ab 1871.

Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach französischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden nämlich vorher aus Frankreich importiert.

Lenzkirch besaß eine eigene Gießerei, Walzwerk, Sägerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine große Gehäusetischlerei, die durch ihre aufwändigen Gehäuse den Ruf der Firma entscheidend begründete.

Für die Gehäuse war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters hätte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung übernehmen sollen.

Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, für die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die Gehäusemodelle waren Vorbild für alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem für die Firmen in Schwenningen.

Lenzkirch Nussbaum Regulator 05Doch der entscheidende Rückschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte große Verluste. Ferner war die zu große Zahl der verschiedenen Werke und Gehäuseformen für die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich höheren Preisen gegenüber der Konkurrenz wiederspiegelte. Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Eduard Hauser zog sich im März 1899 aus dem Geschäft zurück und starb 1900. Beide Söhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu großes Beharrungsvermögen ließ Lenzkirch den Anschluß an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen. Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der höheren Preise nicht mehr verkaufen ließen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen überrundet.

Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg überstanden hat, aber es ist von einer Rüstungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen wäre. Als in der 20er Jahren der Absatz der Uhren immer schwieriger wurde, trat Lenzkirch 1927 der Interessengemeinschaft mit Junghans, HAU und Becker bei. Die durch die Absprachen erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus und 1928 wurde Lenzkirch von Junghans übernommen.

_techdat

Maße ca.: 91 x 31 x 16 (H x B x T in cm)
Uhrwerk: Vollplatinen, Volltriebe, Graham Hemmung, Schloßscheibe
Zifferblatt: Messing, Kupergrundierung, versilbert, geprägt
Pendel: Gitterpendel, “Rostpendel” (nicht von rostig)
Laufzeit: Etwa 10 Tage
Werksnummer: sechsstellig, 372.8**

____preis

Verkauft!

Lenzkirch Nussbaum Regulator 06 _versand

Die Kosten betragen einschließlich Verpackung u. Versicherung 22,50 Euro. Unversichert wird nicht verschickt. Das Verschicken an Dritte ist nicht möglich. Eine Selbstabholung ist dem Versand immer vorzuziehen, sofern das möglich ist.

_zahlung

Überweisung/Vorkasse, Barzahlung bei Abholung.

_garantie

Die Garantie beschränkt sich auf das Uhrwerk und dauert 1 Jahr ab Auslieferung. Für Verschleißteile von antiken Uhrwerken kann allerdings keine Garantie übernommen werden.

Sollten Federn brechen oder sonstige Fehler auftreten, die auf Verschleiß zurückzuführen sind, werden Ihnen während der Dauer der Garantie nur die Materialkosten in Rechnung gestellt. Eigenmächtige Eingriffe am Uhrwerk haben das sofortige Erlöschen der Garantie zur Folge.

Lenzkirch Nussbaum Regulator 07 _pflege

Bei der Uhrenpflege wird leider vieles falsch gemacht. Diese Uhr sollte lediglich mit Staubpinseln gereinigt werden. Man kann sie einmal im Jahr mit einer guten, keine Schichten bildenden Möbelpolitur behandeln. Diese Politur muß Schellack-geeignet sein und sollte genau nach Herstelleranweisung verwendet werden. Benutzen Sie bitte keine Billigware aus Supermärkten. Meine Kunden haben die besten Erfahrungen mit Clou Glanzpolitur gemacht (nein, ich habe selbst mit der Firma nichts zutun).

 

_ineigenersache

Als gewerblicher Händler bin ich bemüht, Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Auch bin ich verpflichtet, nach dem Fernabsatzgesetz eine Gewährleistung auf über 100-jährige Uhrwerke zu geben. Davor drücke ich mich nicht, indem ich wie einige andere Gewerbliche als Privatperson auftrete. Der Uhrenkauf soll beiden Parteien Spaß und Freude bereiten.

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