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Lenzkirch Gutsherrenuhr 1890/1894

Bitte haben Sie etwas Geduld beim Laden der Seite, da Sie im Internet die Ware nicht begutachten können, bin ich bemüht, sie mit sehr vielen Fotos zu beschreiben. Das erfordert leider mehr Bilder als üblich, jedoch wird Ihre Geduld belohnt werden.

Lenzkirch Gutsherren Uhr 06 _beschreibung

Großer Lenzkirch Regulator, 1890/94, mit sehr großem versilberten Zifferblatt, in sehr guter Erhaltungsqualität.

Eine solche Wanduhr ohne sichtbares Pendel wird im Volksmund Gutsherren Uhr genannt. Dabei handelt es sich um Gehäuse, die in der Erscheinungsform ähnlich denen von Freischwingern, jedoch geschlossen sind. Das Pendel hängt also nicht unten heraus, denn es wurden Kurzpendel Uhrwerke verwendet, die man auch in Pendulen verbaut hat.

Das Gehäuse ist dezent ausgeführt und sparsam mit Bronzeapplikationen geschmückt. Es gibt 2 Türen, eine Glastür mit Messinglünette, zum schnellen Aufziehen und die Fronttüre aus Holz, die man zum Feinjustieren des Pendels und zur Einstellung des Uhrenschlagwerks öffnen kann. Dieses Modell wird sehr selten angeboten.

Das Gehäuse hat keine gravierenden Mängel, es ist geruchsneutral, sauber und seidig glänzend. Das Zifferblatt ist makellos, was bei Uhren dieses Alters sehr selten ist. Sie erhalten eine restaurierte Uhr mit einem Uhrwerk, das für die nächsten 10 Jahre keinerlei Wartung benötigt.

_uhrwerk

Das Uhrwerk stammt von Lenzkirch. Es wurde einer vollständigen und sachkundigen Reinigung unterzogen. Dabei wurden keinerlei technische Mängel festgestellt. Alle Lager sind in Ordnung, es besteht für die nächsten Jahre kein Handlungsbedarf.

Lenzkirch Gutsherren Uhr 07 _techdat

Maße ca: 68 x 47 x 20 (L x B x T in cm)
Material Gehäuse: Vollholz, Nußbaum Vollholz, Aufsatz und Unterbau ebenfalls Nussbaum vollholz, beschnitzt.
Zustand: Restauriert, wohnfertig

Uhrwerk: Luxusausstattung: Vollplatinenwerk, Graham-Hemmung, Schloßscheiben Schlagwerk
Werkspunzen und Nummern:
Lenzkirch, sechsstellig, 937.6**

Ein paar Worte zur Restauration an sich

Einige Sammler erheben Einwände gegen die Restauration von wertvollen Uhren. Sie hängen glanzlos mit Nikotinüberzug und schwarz gewordenen Applikationen an deren Wänden und dürfen auf keinen Fall laufen, damit sie geschont werden.

Es gibt jedoch meiner Meinung nach keinen Grund, mit einer geliebten antiken Uhr anders zu verfahren als mit einem geliebten Oldtimer. Diesen läßt man schließlich auch nicht vergammeln, bis er auseinander fällt, sondern versucht, den Wert zu erhalten.

Uhren sind Gebrauchsgegenstände. Sie sind dafür gemacht, die Zeit anzuzeigen. Warum soll etwas, das in der guten Stube hängt, schlechter aussehen, als etwas, das in der Garage steht?

_firmengeschichte

Der Uhrwerkshersteller: Ich zitiere hier stark verkürzt meinen sehr geschätzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

“Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- später Agul) gegründet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald.

Lenzkirch Gutsherren Uhr 08Treibende Kraft für die Firmengründung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Schöpperle sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte. Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er für mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung präziser Uhrwerke kennenzulernen.

Zurückgekehrt gründete er 1846 mit Ignaz Schöpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines früheren Lehrherren, die Firma Schöpperle & Hauser.

Ihr Ziel war die fabrikmäßige Herstellung von präzisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen Schwarzwälder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die Buchführung der Firma übernahm.

Die Gründungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Schöpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten. Hauser wurde technischer Direktor und führte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. München 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888.

Eduard Hauser erhielt auch viele persönliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den Zähringer Löwenorden durch den Großherzog von Baden.

Lenzkirch Gutsherren Regulator Nussbaumholz 04Anfangs wurden in Lenzkirch französische Rohwerke bezogen und eingebaut. Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach französischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden nämlich vorher aus Frankreich importiert.

Lenzkirch besaß eine eigene Gießerei, Walzwerk, Sägerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine große Gehäusetischlerei, die durch ihre aufwändigen Gehäuse den Ruf der Firma entscheidend begründete.

Für die Gehäuse war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters hätte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung übernehmen sollen.

Lenzkirch Gutsherren Uhr 09Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, für die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die Gehäusemodelle waren Vorbild für alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem für die Firmen in Schwenningen.

Doch der entscheidende Rückschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte große Verluste. Ferner war die zu große Zahl der verschiedenen Werke und Gehäuseformen für die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich höheren Preisen gegenüber der Konkurrenz wiederspiegelte.

Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Eduard Hauser zog sich im März 1899 aus dem Geschäft zurück und starb 1900. Beide Söhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Lenzkirch Gutsherren Uhr 10Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu großes Beharrungsvermögen ließ Lenzkirch den Anschluß an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen. Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der höheren Preise nicht mehr verkaufen ließen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen überrundet.

Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg überstanden hat, aber es ist von einer Rüstungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen wäre.

Als in der 20er Jahren der Absatz der Uhren immer schwieriger wurde, trat Lenzkirch 1927 der Interessengemeinschaft mit Junghans, HAU und Becker bei. Die durch die Absprachen erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus und 1928 wurde Lenzkirch von Junghans übernommen.”

Quelle: Hans Heinrich Schmid, Lexikon der dt. Uhrenindustrie

____preis

2.799,00 €

_versand

Die Versand- und Verpackungskosten dafür betragen 32,50 €. Der Versand erfolgt versichert, die Uhr wird mittels geeigneter Verpackung sorgfältig gegen Versandschäden geschützt.

_zahlung

Überweisung/Vorkasse, Barzahlung bei Abholung.

_garantie

Die Garantie beschränkt sich auf das Uhrwerk und dauert 1 Jahr ab Auslieferung. Für Verschleißteile von antiken Uhrwerken kann allerdings keine Garantie übernommen werden.

Sollten Federn brechen oder sonstige Fehler auftreten, die auf Verschleiß zurückzuführen sind, werden Ihnen während der Dauer der Garantie nur die Materialkosten in Rechnung gestellt. Eigenmächtige Eingriffe am Uhrwerk haben das sofortige Erlöschen der Garantie zur Folge.

Lenzkirch Gutsherren Uhr 13

_pflege

Bei der Uhrenpflege wird leider vieles falsch gemacht. Diese Uhr darf lediglich mit Staubpinseln gereinigt werden. Man kann sie einmal im Jahr mit einer guten, keine Schichten bildenden Möbelpolitur behandeln.

Diese Politur muß Schellack-geeignet sein und sollte genau nach Herstelleranweisung verwendet werden.

Benutzen Sie bitte keine Billigware aus Supermärkten. Meine Kunden haben die besten Erfahrungen mit Clou Glanzpolitur gemacht (nein, ich habe selbst mit der Firma nichts zutun).

_ineigenersache

Als gewerblicher Händler bin ich bemüht, Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Auch bin ich verpflichtet, nach dem Fernabsatzgesetz eine Gewährleistung auf über 100-jährige Uhrwerke zu geben. Davor drücke ich mich nicht, indem ich wie einige andere Gewerbliche als Privatperson auftrete. Der Uhrenkauf soll beiden Parteien Spaß und Freude bereiten.

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