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Kleiner Lenzkirch Schaukler, 1880/1885

Bitte haben Sie etwas Geduld beim Laden der Seite. Eine ausführliche Beschreibung erfordert eine ebenso ausführliche Bebilderung. Sie werden nicht enttäuscht sein.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 15 _beschreibung

Eine der seltensten und meist gesuchtesten Uhren, der kleine Schaukler von Lenzkirch. Diese Uhr stammt aus dem Zeitraum 1880 - 1885. Besonderheit dieser Uhren ist die Veränderung der Hemmung, die dazu führt, daß der Junge auf der Schaukel tatsächlich vor und zurück, statt seitlich schaukelt. Dennoch ist auch dieses Uhrwerk, wie bei Lenzkirch üblich, vorbildlich in Präzision und Zuverlässigkeit.

Das Gehäuse besteht aus Nussbaum, kein Furnier, sondern Vollholz. Die geschmackvoll angebrachten Applikationen sind alle original, aus Bronzeguss, das Finish ist eine Säurevergoldung. Das Zifferblatt ist zweifarbig, vergoldet und versilbert, fein ziseliert. Pendel ist in diesem Fall der Junge auf der Schaukel.

Gehäuse, Zifferblatt und Uhrwerk wurden restauriert, bzw. gereinigt. Der originale Schellack war intakt, er wurde lediglich poliert. Das Gehäuse bekam eine Wachsversieglung, die anschließend poliert wurde.

Die Wachsversiegelung ist reversibel. Sie sollte von Zeit zu Zeit von einer Fachwerkstatt erneuert werden, da sie diese sehr wertvolle und seltene Uhr vor Umwelteinflüssen schützt und der Holzalterung entgegenwirkt.

Das versilberte Zifferblatt wurde ebenso wie das Gehäuse gereinigt.  Wirkliche Restaurationsarbeiten waren marginal, da das Zifferblatt gut erhalten, wenn auch sehr angelaufen war. Die gleiche Aufmerksamkeit bekam das Uhrwerk.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 02Sie erwerben also eine Wertanlage mit Wertsteigerung, wenn Sie die Uhr pflegen und die notwendigen Reinigungsintervalle nicht vernachlässigen. Die Uhr wurde mit einer sehr hochwertigen Vollformat Kamera aufgenommen. Es erwartet Sie eine Uhr, die 100 %ig so aussieht, wie hier abgebildet.

_uhrwerk

Eines vorweg, alle kleinen Schaukler sind für den 24 Stunden Betrieb ausgelegt. Einige  schaffen auch 30 Std., dennoch sollte man die Uhren nicht überziehen! Beim kleinen Schaukler heißt es also jeden Tag aufziehen.

Dies ist dem wenigen Platz für ein Uhrwerk im Gehäuse geschuldet. Das Werk mußte möglichst klein sein, lange Federn wären da kontraproduktiv gewesen.

Die Konstruktion stellt alles auf den Kopf, denn das Federhaus ist oben statt unten. Die Zähne des Federhauses greifen ohne Übersetzung direkt in den Minutentrieb, aus diesem Grund wird die Uhr links herum aufgezogen.

Das Herzstück dieses kleinen Kunstwerkes ist ein solide entworfenes Vollplatinen Uhrwerk mit feinsten Zapfen für minimale Reibung, Volltrieben und einer modifizierten Hemmung mit Massivanker  (Hakenhemmung n. W. Clement). Die technische Rafinesse dieses Werkes liegt in der Modifizierung der Hemmung, die das Pendel, in diesem Fall den Jungen auf der Schaukel, dazu bringt, vor und zurück, statt seitlich zu schwingen. Die Genauigkeit der Uhr wird, wie bei allen Pendulen, durch Verlängerung oder Verkürzung der Schwingung eingestellt. Hierzu bedient man die feinen Schräubchen, die sich unter dem Brett der Schaukel befinden, auf der der Junge sitzt.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 13Das gesamte Uhrwerk wurde in alle Einzelteile zerlegt. Dazu wurde auch die Aufzugsfeder entnommen. Alle Teile wurden von Hand gereinigt, relevante Teile gefettet und wieder zusammen gebaut. Die Reinigung beinhaltet bei mir auch immer Zifferblatt, Lünette und Zeiger. Wie Sie oben sehen, schimmern die Zeiger wieder dunkelblau, sie sind frisch gebläut.

Das Pendulenwerk muß erst in etwa 5 Jahren wieder nachgesehen werden, länger als 7 Jahre sollten sie nicht warten.

Achtung! Wenn Sie im Zusammenhang mit Schaukler Werken lesen, die Lenzkirch Punze wäre für den Export in andere Länder entfernt worden, können Sie diese Aussage getrost ins Land der Märchen und Sagen verbannen. Es handelt sich dann um Replikationen. Die Lenzkirch Schaukler gehören zu den seltensten Uhren der Welt. Dies lässt Begehrlichkeiten bei Fälschern aufkommen, da die Uhren sehr wertvoll sind. Lenzkirch hat zwar am Anfang französische Uhrwerke bezogen, die auch anfangs ohne Punze waren. Das bezieht sich allerdings nur auf ganz frühe Gehäuseformen, deren Stil man dem Biedermeier oder Louis Philippe zuordnet. Die kleinen und großen Schaukler stammen aus der Zeit, als Lenzkirch seine eigenen Uhrwerke mit eigener Werkspunze versehen hat.

 

_firmengeschichte

Ich zitiere hier stark verkürzt meinen sehr geschätzten Ratgeber, Hans-Heinrich Schmid, den Verfasser des “Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie”.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 03Am 31.08.1851 wurde die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation, Lenzkirch (Alg- später Agul) gegründet, die erste Uhrenfabrik im Schwarzwald. Treibende Kraft für die Firmengründung war Eduard Hauser (*21.08.1825, +1900), der 1840 zur Ausbildung in die kleine Orchestrionfabrik Ignaz Schöpperle Sen. eintrat und die Herstellung von mechanischen Spielwerken erlernte. Da ihn aber der Uhrenbau interessierte, ging er für mehrere Jahre in die Schweiz und nach Frankreich, um die Herstellung präziser Uhrwerke kennenzulernen.

Zurückgekehrt gründete er 1846 mit Ignaz Schöpperle (*1810, +1882), dem Sohn seines früheren Lehrherren, die Firma Schöpperle & Hauser. Ihr Ziel war die fabrikmäßige Herstellung von präzisen Uhrenteilen, die sie an die hausgewerblichen Schwarzwälder Uhrmacher verkaufen wollten. Diese verhielten sich sehr ablehnend und das Kapital wurde knapp. Als Geldgeber konnte die Handelsgesellschaft Faller, Tritscheler & Cie. gewonnen werden, die bedeutende Summen investierte und bis 1867 auch die Buchführung der Firma übernahm.

Die Gründungsmitglieder der Firma Lenzkirch im Jahre 1852 waren Hauser, Schöpperle, Nikolaus Rogg, Paul und Nikolaus Tritscheler und Josef Wiest, die alle jeweils 5000 fl in die Gesellschaft einbrachten. Hauser wurde technischer Direktor und führte durch seine vielen Erfindungen und Konstruktionen von Produktionsmaschinen, sowie durch solide Werkskonstruktionen die Firma rasch zur Weltbedeutung.

Bereits 1858 wurde Lenzkirch die erste Auszeichnung auf der Gewerbeausstellung in Villingen verliehen. Es folgten weitere 15 Auszeichnungen auf nationalen und internationalen Ausstellungen, u. a. München 1854, London 1862, Paris 1867 und 1900, Chile 1875, Philadelphia 1877, Barcelona 1888. Eduard Hauser erhielt auch viele persönliche Auszeichnungen: 1858 Verdienstmedaille, 1885 in Antwerpen Diplom mit Medaille und 1891 den Zähringer Löwenorden durch den Großherzog von Baden.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 05Anfangs wurden in Lenzkirch französische Rohwerke bezogen und eingebaut. Als der Import wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich immer schwieriger wurde, entwickelte Lenzkirch ab 1867 eigene Tischuhrwerke, Kleinregulatorenwerke und vor allem Reisewecker mit massiven Werken nach französischem Vorbild, die sehr gut verkauft wurden.

In erheblichem Umfang wurden auch Uhrenteile produziert. Die Firma Lenzkirch war die erste deutsche Firma, der die Herstellung von Uhren-Aufzugsfedern gelang und die damit den ganzen Schwarzwald belieferte. Uhrenfedern wurden nämlich vorher aus Frankreich importiert. Lenzkirch besaß eine eigene Gießerei, Walzwerk, Sägerei, eine galvanische und mechanische Werkstatt, sowie eine große Gehäusetischlerei, die durch ihre aufwändigen Gehäuse den Ruf der Firma entscheidend begründete.

Für die Gehäuse war der Sohn, Karl Albert Hauser verantwortlich, der u. a. an der Uhrmacherschule in Furtwangen seine Ausbildung erhielt und auch Architekt, Werkzeug- und Formenmacher war. Nach dem Willen seines Vaters hätte er zusammen mit seinem Bruder Emil die Firmenleitung übernehmen sollen.

Noch 1895 stand das Unternehmen Lenzkirch an der Spitze der Uhrenfirmen in Deutschland. Da in Lenzkirch aber zu keiner Zeit Uhrwerke amerikanischer Bauweise gebaut wurden, ein Fehler, der die Firma Lenzkirch langfristig ihre Vorrangstellung in Deutschland kostete, beteiligte sich Lenzkirch auch nicht an den Verhandlungen mit den anderen deutschen Uhrenherstellern an den Uhrenkonventionen.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 14Im Jahre 1900 wurde eine Musterkollektion von mehreren hundert Uhrenmodellen angeboten, von der Bodenstanduhr bis zum Wecker, für die etwa 160 (!) verschiedene Werke gefertigt wurden. Die Gehäusemodelle waren Vorbild für alle deutschen Uhrenhersteller, vor allem für die Firmen in Schwenningen.

Doch der entscheidende Rückschlag kam im gleichen Jahr. Ein schwerer Brand, bei dem das ganz Uhrenlager in Flammen aufging, verursachte große Verluste. Ferner war die zu große Zahl der verschiedenen Werke und Gehäuseformen für die Firma ein zunehmendes Problem, das sich in deutlich höheren Preisen gegenüber der Konkurrenz wiederspiegelte. Zum Vergleich: Der baugleiche Reisewecker der Firma Kienzle war etwa 30 % billiger.

Eduard Hauser zog sich im März 1899 aus dem Geschäft zurück und starb 1900. Beide Söhne schieden vermutlich wegen Differenzen in der Firmenleitung aus und wechselten zur HAU (Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, Pfeilkreuz).

Danach ging es in Lenzkirch schnell bergab. Ein allzu großes Beharrungsvermögen ließ Lenzkirch den Anschluß an die leichter und billiger zu entwickelnden “Amerikaner-Uhren” verpassen. Man blieb bei den soliden Massivwerken, die sich auf Grund der höheren Preise nicht mehr verkaufen ließen und wurde dadurch im Absatz von immer mehr anderen Firmen überrundet. Es ist nicht bekannt, wie die Firma Lenzkirch den ersten Weltkrieg überstanden hat, aber es ist von einer Rüstungsprodukion auszugehen, da man andernfalls zur Produktionsaufgabe gezwungen gewesen wäre.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 10Als in der 20er Jahren der Absatz der Uhren immer schwieriger wurde, trat Lenzkirch 1927 der Interessengemeinschaft mit Junghans, HAU und Becker bei. Die durch die Absprachen erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus und 1928 wurde Lenzkirch von Junghans übernommen.

_techdat

Maße gesamt ca. : 44 x 20 x 10 (H x B x T in cm)
Material: Nussbaum
Material Applikationen: Bronze, vergoldet
Uhrwerk: Lenzkirch Uhrwerk, Vollplatinen, 1875/80 (Ser. 722.***)
Zifferblatt: Mehrfarbig, versilbert, gebläute Zeiger
Pendel: Figürlich
Laufzeit: Etwa 24 Std.
Letzte Wartung des Uhrwerkes Juli 2017

_pflege

  • nur Abstauben,
    kein feuchtes Abwischen!
  • keine Möbelpolitur verwenden,
  • keine direkte Sonneneinstrahlung und
  • kein Aufstellen neben Öfen, etc
  • niemals am Zifferblatt herum putzen, nur klares Wasser ist beim Zifferblatt erlaubt!

_zubehoer

Ausführliche Pflege- und Bedienungsanleitung, 1 Schlüssel (original).

 

_antiqui

(Bei dieser Uhr nicht vorhanden) Alle Antiquitäten unterliegen dem natürlichen Alterungsprozess. Dies kann sich dadurch äußern, daß Holz verzogen ist, das es Wurmlöcher gibt.

Kleiner Lenzkirch Schaukler 06Diese Dinge muß man hinnehmen, sie mindern nicht den Wert. Alle Mängel, die die Gebrauchsfähigkeit stören oder die Optik negativ beeinflussen, werden beseitigt, sofern das möglich ist.

Hier ist aber immer ein Kompromiss zu finden, um den Wert zu erhalten. Überrestaurierte Antiquitäten besitzen keinen Reiz mehr und sind wertlos.

_antikuhrwerke

(Bei dieser uhr nicht vorhanden) Konstruktive Mängel der Werke müssen hingenommen werden, da es nicht zur Aufgabe der Restaurierung gehört, eine Antiquität zu verbessern.

Zu Konstruktionsmängeln zählen u. a. ungünstig geformte Triebstirnseiten, horizontal stehende Spindelräder sowie große und flache Ölsenkungen und vieles mehr.

Es liegt in der Natur der Sache, daß an manchen Uhrwerken Reparaturspuren zu sehen sind, denn wir haben es mit über 100 Jahre alten Uhrwerken zutun, die im Laufe ihres Lebens durch mehrere Uhrmacherhände gegangen sind.

Auch Zifferblätter können Altersspuren zeigen, wie feine Haarrisse, etc.. Damit müssen wir als Liebhaber von Antiquitäten leben.

____preis

3.899,00 €

Kleiner Lenzkirch Schaukler 12 _versand

Kein Versand oder auf ausdrücklichen Wunsch und eigene Gefahr! Dies ist schriftlich zu formulieren. die Versandkosten betragen 12,50 €

_zahlung

Überweisung, Vorkasse. Anzahlung, Restzahlung bei Abholung. Reservierung nur bei angemessener Anzahlung, Rücktritt vom Kauf bei Reservierungen nicht möglich!

_lieferzeit

Die hier angebotenen Uhren sind alle frisch restauriert, bzw. die Uhrwerke frisch gereinigt und aufgezogen. Die Lieferung erfolgt aus Sicherheitsgründen erst nach Ablauf des Uhrwerkes, wenn keine Spannung mehr auf den Federn ist. Ich habe damit die Sicherheit, eine 100 % funktionstüchtige Uhr abzugeben und Sie haben die Sicherheit, daß Sie eine Uhr erhalten, die Sie nicht enttäuschen wird.

_garantie

1 Jahr

Kleiner Lenzkirch Schaukler 11 _ineigenersache

Ein automobiler Scheunenfund kann weder am Straßenverkehr teilnehmen, noch wird er Schönheitspreise gewinnen.

Ein Dachbodenfund wird erst dann die Zeit zuverlässig anzeigen und ein Schmuckstück Ihrer Wohnung sein, wenn er fachmännisch restauriert worden ist. Uhren, die Sie bei mir erwerben, bringen diese Qualitäten mit.

Ich gebe auf meine Uhren Garantie. Das bedeutet für Sie die Sicherheit, eine Uhr zu erwerben, die nicht nur ihre Aufgabe, die Zeit anzuzeigen, zuverlässig erfüllen wird, sondern darüber hinaus eine Wertanlage für die Zukunft darstellt.

Dabei gilt es, folgendes zu beachten: Eine gepflegte Uhr läßt sich besser zu Geld machen, wenn man einmal in Not ist, als ein angeschmutzter vernachlässigter Dachbodenfund. Gute Uhren bekommen sie nicht im Antikhandel. Antikhändler sind keine Uhrmacher.

Sie müssen also bei jedem Kauf den Gang zum Uhrmacher einplanen, denn eine verschmutzte Uhr kann sich selbst zerstören, wenn man sie ohne regelmäßige Reinigungsintervalle laufen lässt. Dabei ist es irrelevant, ob die Uhr noch läuft. Das tut sie, so lange die Kraft der Federn noch irgendwie auf das Räderwerk übertragen wird. Währenddessen zerreibt sie sich fleißig die von Feinstaub und stockig gewordenem Öl verschmutzten Lager. Irgendwann sind die relevantesten Lager oval gelaufen und es kommt der Tag, an dem die Uhr, die gestern noch zuverlässig war, stehenbleibt.

Oft ist dann mit einer Reinigung nicht mehr getan, sondern Ihre Uhr benötigt eine Sanierung des gesamten Werkes, was sehr ins Geld gehen kann. Ein Antikhändler beurteilt seine zu verkaufenden Uhren nur danach, ob sie laufen oder nicht, wie es im Uhrwerk selbst aussieht, kann er ohne Fachkenntnisse nicht beurteilen.

Die hier angebotenen Uhren verursachen keine Folgekosten in den nächsten 7 - 10 Jahren. Darüber hinaus sollten sie nicht betrieben werden, um keinen Schaden zu nehmen.

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